Kapitel #5: „Soon you feel…“

Am Tag vor meiner Abreise hatte ich meine Abschluss-Konsultation. »Sie sind überhaupt nicht entspannt!!!« – »You’re nooot relääxt at all!!!« sagte Dr. Budehke. Er sah mich durchdringend an. Ich fühle mich wie ein Kind, das eine schlechte Zeugnisnote bekommt. Wie, ich war nicht entspannt? Ich dachte, das hätte ich hier vier Wochen getan: Entspannen. Hatte mich doch erfreut an dem Blick aufs Meer. Hatte nur wenige Ausflüge gemacht auf sein Anraten hin, um in der Ruhe zu bleiben. Und nu alles für die Katz? Er war unzufrieden mit meiner Veränderung: »Why you’re not häääppy?« – »Warum sind Sie nicht glücklich?« Ich hob zu einer Erklärung an: »Ich denke, I think …« Ich wurde von seinem Nachäffen unterbrochen: »Think, think, think …« Mann, was soll ich denn noch machen. Ich wurde sauer, ich holte tief Luft und wollte sagen: »OK, ich will es gerne versuchen« Ich kam genau bis: »Ok, I will …» – »Don’t WILL.« Ich musste schon fast lachen, ich hätte gedacht, er unterbricht mich bei »versuchen« und hätte gekontert, nicht versuchen, sondern einfach tun. Ich setzte noch einmal an: »But …« – »No but!!!« Dr. Budehke schüttelte seinen Kopf so, als hätte er eine arme Irre vor sich sitzen. Am besten wäre es, schlug er mir vor: »You stay here, you need more time.« Noch bleiben? Ja gerne, obwohl ich auch die Nase voll hatte vom »Nichtstun«. Doch ganz real überstieg das meine finanziellen Möglichkeiten. Ich verdankte diese Reise meinem »geheimen Konto«. Das ist seit meinem ersten Engagement mein Sparschwein-Konto »nur für mich«. Seit meinem 14. Lebensjahr wird da monatlich ein kleiner Betrag überwiesen. Mit Sri Lanka hat es seine Bestimmung erfüllt und ist nun blank. Weitere Einzahlungen leider bis auf weiteres gestoppt. Dr. Budehke sah mich sehr ernst an: »Schade!« las ich in seinem Blick, dann sagte er bedacht und mit Nachdruck: »Ilsa, you’re in transformääätion.« Dieser Satz sollte jetzt die Wirkung von weiteren Monaten Heilung in der Klinik haben: »Ilsa, you’re in transformääätion.« Vor meinem inneren Auge sehe ich wieder ein Buchstaben-Ballett, wie von Egon Schiele ausgestattet. Die tanzenden Buchstaben formen sich zu neuen Worten: motion, inform, … Sie tanzen weiter, finden sich zu immer neuen Kombinationen: Määä-tran-tion. Dr. Budehke beendete unser Gespräch mit einem festen Händedruck, den Worten und seinem Lachen FÜR mich: »Soon you feel: You’re hääppieest person in world.«

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