Kapitel #2: „Das ist es“

Nach der Konsultation ging ich am Indischen Ozean entlang – der übrigens so laut brüllte, als würde man mitten in einem Orkan stehen – zurück zu meinem Zimmer. »Das ist es! Das ist die Lösung«, dachte ich. Tief in mir war da plötzlich ein Aufatmen. Ein Gefühl, als würde eine graue Panzerschicht, die ich auch zum ersten Mal bemerkte, Risse bekommen. »Ich kann eigentlich wieder abreisen. Ich brauche keine Ayurveda-Kur mehr«, dachte mein sparsames Ich. Es stimmte: »Ich bin mit mir im Reinen. Also: Ich bin glücklich.« Den letzten Satz wiederholte ich immer wieder, nur es tat sich nichts in mir. Ich konnte mich selbst nicht hören! Ich brauchte Erholung – da war mein Gefühl richtig gewesen. Irgendwo in mir hörte ich ganz leise ein »Ja« wispern: »Das ist es!«

Ich machte die Ayurveda-Kur. Das war keine Wellness, sondern ein medizinisches Programm. Herren wurden von Masseuren »bearbeitet« und Damen von Damen. Mal eine Massage mit Puder. Puder ist eine sehr poetische Umschreibung von Kleinstkristallen, die synchron von zwei netten Damen mit strengen Händen über den ganzen Körper gerubbelt wurden. Ich nenne es mal freundlich: intensiv. Das war ein Gefühl von einem Ganzkörper-Peeling mit grobem Schmirgelpapier. Danach wurde ich in eine Liegesauna gesteckt. Sauna bei einer Außentemperatur von 40 Grad Celsius. Das ist eine Holzkonstruktion: Unten ein halbhoher Schrank, in die mehrere Kessel mit heißem Wasser eingestellt werden. Der Dampf dringt durch Löcher nach oben. Dort, auf Bananenblättern, lag ich nur mit einem Lendenschurz bekleidet. Die tonnenartige Abdeckung wurde am Hals mit Handtüchern abgedeckt. Der Kopf blieb draußen, aber nur, um eine ekelige – natürlich sehr helfende – Medizin einzunehmen. Dafür wurde mir liebevoll der Schweiß abgetupft. Anschließend gab es Nasenspülungen. Oder die Klopfmassage. Das klingt auch so zart. Während der Behandlung hatte ich vor meinem inneren Auge immer Alfons Schubeck und Horst Lichter gesehen, die mit riesigen Fleischklopfern mich mit einem Kalbfleisch verwechselt hatten, das sie zu einem leckeren Wiener Schnitzel verarbeiteten wollten. Danach  gab es eine Behandlung mit heißen Öllappen. Lappen mit wirklich heißem Öl, die, wenn sie auf eine angenehme Temperatur herunter kühlten, sofort durch neue sehr heiße Lappen ersetzt wurden. Ein andermal würde mir eine »Krone« aus Bananenblättern und eine Kräuterfüllung aufgesetzt. Die Krone blieb den ganzen Tag.

Ilse in Sri Lanka
Ilse in Sri Lanka

Jeden Tag hatte ich vor und nach den Behandlungen einfach rumgelümmelt am Indischen Ozean. Ich habe frischen Kokosnusssaft laut ärztlicher Verordnung vor Sonnenaufgang serviert bekommen und danach über den Tag verteilt literweise frisch gepressten Limonensaft »with very little palmsugar, please« und Hibiskussaft getrunken. Jedes Getränk wurde mir mit einem Lächeln gebracht. Dazwischen wunderbare Mahlzeiten, auch pünktlich um 17:00 Uhr eine Tea Time mit Ceylon Tee, der jetzt politisch korrekt Sri-Lanka-Tee genannt wurde. Ein Paradies. Ich wurde viele Male am Tag angelächelt. Aus professionell verordneter und herzlicher Freundlichkeit. Die aufmerksame Freundlichkeit tat mir gut. Wenige Gäste waren gleich alt. Alle taten sich etwas Gutes an. Ich habe von einem anderen Gast etwas Schwäbisch gelernt. Wir alberten herum und ließen einfach alles auf »le« enden: »Noch ein Säftle? Ein Teele, ein paar Igele?« Igele waren Lychees noch in Schale.

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