Wien

Wien, Wien nur Du allein…

Nach Wien, nach Wien… für 4 Tage

was hat das mit »Les MontmARTrois en Europe« zu tun?

Vor 5 Jahren lud mich Ulrich Häusler, der Begründer der Künstlervereinigung »Les MontmARTrois en Europe«, ein, Mitglied zu werden. Hier sind darstellende und bildende Künstler in Paris und im ganzen deutschsprachigen Raum zusammen gekommen, um sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen. Das Künstlersein definiert sich in MontmARTrois durch die eigene Passion. Zahlreiche Künstler können leider nicht immer von der Kunst allein leben. Die »Les MontmARTrois en Europe« Familie hat regelmäßige Stammtische in vielen Großstädten und darüber hinaus Projektgruppen und gemeinsame Unternehmungen. Viele Freundschaften sind so entstanden. Ich gehe gerne zu dem Berliner Stammtisch und treffe dort Schauspiel-Kollegen wie Sarah Alles, Dieter Landuris und Maler wie Zoula Fürst und Jonny Saxe.

www.montmartrois-berlin.de

Dann hatte Ulrich eine neue Idee, wie sich die Städtegruppen untereinander kennenlernen und unterstützen können. Es entstand die Idee eines internen MontmARTrois Couchsurfings. Ich war sofort von der Idee begeistert und einige Künstler meldeten sich zu einem Besuch bei mir an.

Bei einem gemeinsamen Besuch im Wintergarten Varieté stellte mir Ulrich Christin Amy Artner und David Auer, einen Kameramann, vor. Christin ist eine Schauspielerin aus Wien,  die ihr Newactingprojekt – einen Camera Acting Workshop – immer wieder im MontmARTrois-Domizil in Berlin veranstaltet.

Schaut mal auf der Christins Webseite vorbei: www.newactingproject.com

Ich erklärte mich bereit, Teilnehmer ihres beliebten Workshops bei mir unterzubringen und sie lud mich spontan nach Wien ein. Somit ist Christin meine erste Sponsorin zu diesem Blog.

Von einer Vielfliegerin hatte ich den Tipp bekommen: Flüge am besten in der Nacht zu buchen … noch besser Dienstagnacht zwischen 2:00 und 3:00 Uhr. Ok, gehört und ausprobiert – mit Erfolg: Mit drei Monaten Vorlauf buchte ich einen Flug Berlin – Wien – Berlin nur mit Handgepäck für 88 € bei AirBerlin. Ich bin ja eher die kurzentschlossene Reiserin. Als Freiberufler weiß ich nie, ob sich an meiner Auftragslage kurzfristig etwas verändert. Doch durch diese neue Vorgehensweise kam ich in den Genuss der Vorfreude. Es fühlte sich ein bisschen an wie früher das Warten auf Weihnachten. Wie ein Kind zählte ich ab Februar die Tage runter … und endlich … nur noch einmal schlafen und …

Airport Berlin Tegel … es geht los …

Im Winter für fünf Tage und vier Nächte mit einer Geburtstagsparty und erhofften Theaterbesuchen, den Stadterwanderungen leider mit einer Regenvoraussage von 100%. Nur diesen winzigen Kabinenkoffer zu bepacken, ist schon eine Herausforderung. Meine digitale Nomaden-Ausrüstung passt in die Handtasche. Ich habe akribisch nachgemessen, ob alle Maße eingehalten sind. Passt.

Ein Gallier bewacht das Gate von Air Berlin

Ilses Koffer
Mein Kabinen Gepäck…

Gewogen habe ich nicht. Vor dem Gate steht ein Obelix, allerdings in der Uniform der Sicherheitsleute. Jedes Gepäckstück, das als Handgebäck mit in die Kabine soll, hebt er an und verpasst dann den meisten eine orangefarbene Papierbanderole. Die Glücklichen dürfen weiter. Eine Dame wird abgewiesen. Mmh. Sie muss ihrem Koffer aufgeben, das wir teuer. In meinem Kopf rattern sofort Notfallprogramme durch: Was könnte ich noch aus dem Koffer nehmen und übereinanderziehen? 1. Einen Turban aus dem Theaterkleid zwirbeln? 2. Hose als Schal umwickeln? 3. Schmuck, Pulswärmer anziehen? 4. Pullover, Jacke, Bluse um die Taille binden?

Sekunden der Wahrheit

»Kommse ran junge Frau«, werde ich jovial unterbrochen.
Ich setzte ein strahlendes Lächeln auf. »Guten Morgen!«

Schon ist mein Trolly mit der Tasche obendrauf am langen Arm in die Luft gehoben. Ein strenger Blick trifft mich direkt in die Augen.
»Is das ihr tägliches Morgen-Workout?« lächle ich ihn ablenkend an …
»Jenau, na wat schätzen Sie?«
»Zuhause waren es 6,5 kg.« höre ich mich sagen. An seinen Augen sehe ich, dass das die falsche Antwort war.
»Na, det war bevor sie ihr Collier reinjetan haben wa? Niemals! Det is über der Grenze.« – »Dabei habe ick det Abendkleid schon unterjezogen!« Ich spiele die Verzweifelte. – »Zeigen se mal«, grinst er mich an. –
»Junger Mann, sie reden mit einer Dame!« empöre ich mich künstlich.
»Schlagen sie mir gerade vor, det ick hier – öffentlich – meinen Pulli hochziehen soll?« – »Schön wärs …« – Wir müssen beide lachen. Hinter uns murren schon Nadelstreifenträger. – »Na, denn mal ville Späsken mit ihren säx Kilos, Madame. Thüssi.«

Gefährliche Ilse

Breit grinsend gehe ich zum Sicherheitsscheck und treffe dort eine Drehbuchautorin. Sie geht durch die Kontrolle und wartet auf mich. Bei mir piept es, klar, kenne ich, nach der individuellen Abtastung werde ich zu einem erweiterten Sicherheitscheck in eine Kabine gebeten. Mit Klebestreifen werden Proben von mir und dem Gepäck genommen. Resultat: Ich habe keine gefährlichen Substanzen dabei. »Gute Reise« wird mir gewünscht. Auf meine Frage, ob ich in ein Fahndungsraster passe, wird mir nicht geantwortet. Die Antwort habe ich ja durch die Überprüfung bereits bekommen. Das gibt mir zu denken … bleibt offen für welches Verbrechen man mich fähig hält.

Der Himmel über Berlin

Eine Stunde über den Wolken. Wir fliegen Richtung Osten über Berlin. Im Dunst die Spree, Tiergarten, Bundestag, Fernsehturm und Berlin Mitte. Ich liebe diese Perspektive. Von hier oben sieht Berlin so verletzlich aus.

Berlin aus dem Flugzeug nach Wien
Berlin aus dem Air Berlin Flugzeug nach Wien

Von der Flügelspitze leicht schräg nach unten kann man die Kugel von Fernsehturm sehen.

Dann Einfamilienhäuser am Stadtrand. Mit wie viel Leidenschaft und Einsatz Menschen 30, 40 Jahre dafür sparen. Von hier oben sieht das Paradies aus wie ein Legostein. Soviel Aufwand für einen kleinen Legostein?

Frühstücks-Tipps

Mein Sitznachbar und ich haben Glück, der Mittelsitz bleibt frei. Bei unserem kleinen Frühstücksgespräch erfahre ich, dass er Qualitätsmanager in der Pharmaindustrie ist. Er wird für die Studie zu einem neuen Medikament die Dokumentation in den Patientenakten in der Klinik überprüfen und deren Ergebnisse einsammeln. Für diesen 30-Minuten-Einsatz fliegt er einmal im Monat nach Wien. Es ist ihm eher lästig. Von ihm lerne ich, dass auch eine normale S-Bahn nach Wien Mitte fährt und die nur ca 12 Minuten länger braucht als die CAT-Airport-Bahn und dafür oneway 10 € billiger ist. Da habe ich doch mit Hin- und Rückfahrt schon zwei bis drei Kaffeehausbesuche mehr im Budget.

Mein Sitznachbar begleitet mich noch bis zum Schalter der Öffies. Dann wünschen wir uns viel Glück. Im Internet hatte ich schon recherchiert, dass es Tages- und Mehrtagestickets für die öffentlichen Verkehrsbetriebe gibt. Und ich habe eine Besonderheit entdeckt: eine Queercard. Die gibt es nur in Wien und in München.

QUEER CityPass WIEN – Das Erlebnisticket für LGBT*-Touristen und bunte Wienbesucher

*(LGBT=Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender)

Das möchte ich genauer erkunden. Ich bin dran und trete an den Schalter. Eine junge Frau mit herabhängenden Mundwinkeln bedient.
»Joa?«
»Guten Tag. Ich habe eine Frage: Es gibt eine Queercard? W…« – »Joa.«
»Wer kann die kaufen?«
»Woas?«
»Im Internet steht LGBT (=Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) kann ich die nur kaufen, wenn ich dazugehöre?«
»Hä?«
»Wie stellen sie denn fest, ob ich queer bin? Muss man das nachweisen?«
»Verstehe nicht«
»Ich möchte wissen, ob ich eine Queercard nur kaufen kann, wenn ich queer bin oder kann das auch jeder hetero-normative Mann bzw. Frau kaufen?«
»Äh …«, lange Pause.
»Ich verstehe das Angebot nicht. Wozu extra diese Kategorie?«
»Hier sind die Öffies.« (Sie betont: ÖÖÖÖffffiiiieeessssss so wie Öff – fies)
»Dann mal anders herum gefragt: Kann ich auch queer sein und ein – wie sage ich das jetzt korrekt – ein ›nicht queeres‹ Ticket kaufen? Ist das denn ein ›hetero‹ Ticket? Wer grenzt hier wen aus? (Pause) Ich bleibe 5 Tage …«
»Dann kaufen sie ein Wochenticket, is billiger als das mitn 2 Tage und 3 Tagen zu kombinieren.«
»Und meine sexuelle Orientierung ist dann egal?«
»Für die S-Bahn nach Wien Mitte brauchen Sie noch ein extra Ticket. Zusammen: 18,20 €«

Naschmarkt im strömenden Regen ohne Schirm

Am Naschmarkt regnet es in Strömen. Pitschnass komme ich bei Christin und ihrem Freund Flo an. Unter dem Dach darf ich in dem kleinen Apartment wohnen. Ich bin sofort verliebt in die Wohnung und in das Stiegenhaus. Klassischerweise ist das Klo auf der Treppe. Der 4. Bezirk ist bebaut mit kleinen Häsern. Hier tobt das Leben, wie es mir gefällt: wenige große Läden oder Ketten, dafür viele kleine Spezialgeschäfte: Kleidung, Spezialisten für Oliven, Vegan, Seide und Cafés, Restaurants und Handwerk. Das Museeum ‚Der dritte Mann‘ ist fast gegenüber. Christin und Flo sind auch erst vorgestern aus Berlin von ihrem Seminar zurückgekommen und müssen jetzt den Schnitt und die Post für die Schauspielerszenen machen. Außerdem steht der Geburtstag von Flo an, die Söhne von Christin freuen sich, dass ihre Mutter wieder da ist, und dann ist noch ihre Mutter aus Kärnten zu Besuch.

Der 1. Bezirk und  Stephans Dom

Ich mache mich auf den Weg zu Fuß durch den Regen Richtung Karlsplatz zum 1. Bezirk. Im strömenden Regen, jetzt aber mit Schirm. In der berühmten Kärtnerstrasse sehe ich auf Augenhöhe herrschaftliche Hauseingänge und dann die Geschäfte … also die üblichen Verdächtigen, die es weltweit in allen Fußgängerzonen und Malls gibt. Warum bin ich hier? Ich möchte mir die Fassaden ansehen, aber der prasselnde Regen verhindert das. Soll ich jetzt zu H&M flüchten? Wo ist hier ein Café? Ich sehe eine Kirche, die xxx, und beschließe eine Kerze für meine Eltern anzuzünden. Das mache ich bei jeder Reise für meine Ahnen.

Ich laufe weiter durch die Kärtnerstrasse und entdecke den Stefansdom. Vor dem Stepfans Dom stehen Männer mit weiten blauen Umhängen, so wie bei Harry Potter, nur dass die Umhänge alle nass sind und dadurch traurig an ihnen herunterhängen. Sie verkaufen wohl Tickets. Vor dem Dom? Im Stephans Dom ist das Hauptschiff nur für zahlende Besucher geöffnet. Die anderen dürfen von den Seitenschiffen den Stepfans Dom betrachten. Und es gibt Info-Automaten. So ein Konzept hatte ich einmal vor Jahren ausgearbeitet für den Kölner Dom. Mir fiel damals auf, dass ich mehr über die Bedeutung von Symbolen in buddhistischen Tempeln weiß als von denen in einer christlichen Kirche. Kirchen sind für mich die in steingehauene spirituelle Weisheit der jeweiligen Religion. Ein Stein-Hologramm aus vergangener Zeit.

Phonomat am Stephansdom
Der Stepfans Dom -Phonomat
Blick in den Stephansdom
Blick in den Stepfan Dom

Wieder im Regen gehe ich in Richtung Albertina. Jetzt bin ich im wirklichen Luxusteil des 1. Bezirks. Ein Flagstore am anderen von Prada, Vivienne Westwood, Miyake und schicke Labels von denen ich noch nie gehört habe.

Feine Damen mit Geheimnissen

Eine Dame in offenem Pelz kommt mir entgegen. Ihre ganze Haltung strömt die Behauptung aus: Hier bin ich richtig, hier gehöre ich her. Mit einem mega herablassenden Blick streift sie meine Figur. Das Resultat erübrigt jede weitere Aufmerksamkeit zu mir. Wow, ein Blick, ein Urteil. Ich betrachte sie interessiert. In ihrer linken, angewinkelten Armbeuge pendelt eine edle und große Tüte von Prada, in der Hand hat sie einen Schirm, der mit jedem Schritt von rechts nach links pendelt. In ihrer rechten, rotbehandschuhten Hand hält sie eine Zigarette, extra slim. Sie zwingt mich, ihr Platz zu machen. Ich drehe mich nach ihr um. In der Luxustüte ist ein Schlitz aus dem leere schwarze Plastikbügel lugen. Der Nerz stellt sich als ein von Motten geliebtes Kaninchen heraus. Die Absätze der Pumps sind abgestoßen. Ihre majestätische Haltung heißt mich irgendwie in Wien willkommen.
Sie zu fotografieren, bin ich zu schüchtern.

Kleider machen Leute

Ich schlendere im Regen weiter und mache Augenshopping. Innerhalb von 20 Minuten könnte ich hier gut 60.000 € für eine kleine Ausstattung ausgeben. Die Restaurants, um mich dann als Pretty Woman zu zeigen und verwöhnen zu lassen, sind auch gleich hier. Ich träume so ein bisschen vor mich hin … so hochklassig gekleidet zu sein? Würde es mir Spaß machen? Gott sei Dank habe ich ja keinen Zwang mich zu kleiden. Dennoch Kleider machen Leute… würde ich ganz andere Menschen kennenlernen? Würde ich den Aufwand betreiben wollen? Ob die überhaupt in meiner Kleidergröße, also ü 38, produzieren? Naja ich denke schon, es werden doch nicht nur general optimierte Frauen oder die Zweit- und Dritt-Frauen hier einkaufen? Diesen Selbstversuch verschiebe ich in den Sommer … Das wäre doch ein gutes Projekt für meine LebensLustfür die Kollumne: Transit in die 2. Lebenshälfte.

Was machen zwei Männer vor Prada?

Auf der nächsten Gabelung der Fußgängerzonen stehen 2 Männer, beide kinnlange Haare, Designer Jeans und Schuhe, Lederjacke Marke Edelrocker, fette Rolex. Sie warten ganz offensichtlich schön länger und unterhalten sich unter einem Doppel-Schirm. Zwei aufgespritzte, platinblonde Damen kommen fröhlich und mit edlen großen Tüten beladen auf die beiden Herren zu. ‚Erfolgreich?‘ ‚Lass Dich überraschen.‘ ‚Und?‘ ‚Günstig, unter 20.‘ Höre ich im Vorbeigehen schwäbisch babbeln. Nach den Tüten zu urteilen meint sie unter 20.000. Dann:  »Champus? Im Sacher?«

Auch Schönheit kann erdrücken

Irgendwie fühle ich mich seltsam. Luxus, Luxus und Luxus. Die historische Architektur ist schön. Auf der einen Seite genieße ich den Anblick. Es ist ein wahrer Augenschmaus und gleichzeitig macht sie mich auch traurig. So sah Berlin auch einmal aus. Vor den Bomben und den nachfolgenden Bausünden. In dieser Pracht fühle ich mich plötzlich unsicher. Ich brauche einen Gegensatz und setzte mich in die Tram 2 und fahre in den 2. Bezirk. Hier ist das alte jüdische Viertel. Ich stromere durch das Viertel: Taborstrasse … hier sind die Gassen schmaler, die Häuser niedriger. Ich finde ein koscher Deli und genieße ein Pastrami Sandwich. Und in mir geht wieder die Sonne auf. Früher hab ich mir immer Pastrami aus New York mitbringen lassen. Heute gibt es Pastrami wieder in jeder Stadt. Das ist gut so. Wieder im Regen sehe ich einen alten Mann, der aussieht wie der alte Hans Moser und ich beschließe, ihm unauffällig ein wenig zu folgen.

Rückblende München … der innere Radar

Natürlich stalke ich ihn nicht. Das erste Mal bin ich jemandem gefolgt, als ich ein Seminar in der Münchner Journalistenschule mitgemacht habe und wir die Aufgabe bekamen, eine Reportage im GEO-Stil über den Münchner Hauptbahnhof zu schreiben. Auf der Fahrt mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof hörte ich auf dem Bahnsteig ein regelmäßiges Klacken. Ein Blinder kam den Bahnsteig hoch. Spontan machte ich ihn zum Mittelpunkt meiner Reportage. Ich beobachtete ihn und folgte ihm in gebührendem Abstand. Er ging zielsicher quer durch den Hauptbahnhof zum Starnberger Bahnhof und bestellte sich beim Imbiss ein Weißbier, das er sich gekonnt eingoss. Inklusive des Rollens der bis auf einen Schluck leeren Flasche, um die Hefe zu lösen und als letztes einzugießen. Ich sah ihm zu und versank in Fantasien: Wie er wohl lebte? Wie er wohl blind geworden war? Was war sein Beruf? Seine Geschichte? Plötzlich hörte ich eine Stimme:
»Warum folgen sie mir?« Sein Blick ging in eine andere Richtung. »Hallo, was wollen sie von mir?« Er meinte mich. Ich fühlte mich ertappt. Beschämt ging ich an seinen Tisch und stellt mich und mein Anliegen vor. Zwei Biere später verabschiedete ich ihn am Zug nach Starnberg. Seitdem folge ich manchmal Menschen. Mal nur mit den Augen, mal ein Weilchen auf ihrem Weg.

»Mein« Hans Moser ist bekannt im Viertel. Er begrüßt eine Dame – auch sie im Pelz mit durchsichtigem Regenschutz drüber und keckem Hut. Der Hund mit eigenem Pelz und ein Regenmäntelchen drüber. Er winkt dem Zeitungsmann zu und holt sich aus der Bäckerei ein Plunderteilchen. Hier trennen sich unsere Wege. Ich verabschiede mich telepathisch und fliehe vor dem Regen in eine weitere Straßenbahn und fahre zurück zum Naschmarkt.

Ein Abend mit David

Am Abend treffe ich David. Wir spazieren im 4. Bezirk umher. Ich wünsche mir eine typische Wiener Wirtschaft möglichst ohne Touristen. Wir gehen ins [tooltip text=“Cafe Anzengruber
Schleifmühlgasse 19
1040 Wien, Österreich
Telefon: +43 1 5878297
Öffnungszeiten:
16:00 – 01:00Uhr“]Anzengruber[/tooltip] trinken ein paar tschechische Biere und ich esse ein Goulasch. Das angenehme ist, es gibt fast alle Speisen in kleinen, mittleren und großen Portionen. Ich entscheide mich für eine kleine. Das ist in etwa wie eine doppelte Portion Tapas. Sehr lecker, das Rindsgoulasch würzig und sehr pimentlastig, dazu gibt es Salzkartoffeln. Zwei Sachen fallen mir auf: Es gibt viel mehr Personal in Wien und in den Restaurants und Kneipen ist der Raucherraum das Lokal und es gibt dann einen abgetrennten Nichtraucherraum. Also genau umgekehrt wie in Deutschland: Die Nichtraucher kommen »in den Käfig«.

David ist Kameramann – hier seine Webseite – und er bietet mir spontan an, mich am nächsten Tag zu begleiten und auch meinen Besuch im Viktor Frankl Museum mit seiner Kamera zu drehen. Ihm wurde ganz übel, als ich ihm erklärte, dass ich dort mit meinem iPhone drehen wolle. Der David Auer ist halt ein echter Kameramann 🙂

Beschwingt und fröhlich falle ich in das weiche Bett bei Christin. Ein schöner Tag geht zu Ende. Es ist der letzte in diesem Lebensjahr. Es ist 9 Minuten vor Mitternacht. Einem Menschen, der leider nicht mehr unter uns ist hatte ich versprochen in mein neues Lebensjahr zu meditieren. Ich bin glücklich und dankbar und halte das Versprechen ein.

 

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.